Das LIFE Natur Projekt Gesäuse

Das LIFE Projekt „Naturschutzstrategien für Wald und Wildfluss im Gesäuse“ war ein Meilenstein für die Naturschutzarbeit im Nationalpark und dessen Vorfeld.Das LIFE-Projekt im Nationalpark Gesäuse war ein wesentlicher Impuls für Naturschutzmaßnahmen sowohl im Nationalpark und NATURA 2000-Gebiet „Ennstaler Alpen-Gesäuse“ als auch im angrenzenden Gebiet „Pürgschachen Moos und ennsnahe Bereiche zwischen Selzthal und Gesäuseeingang“. Durch die Zusammenarbeit verschiedener Institutionen (Hochwasserschutz Steiermark, Wildbach- und Lawinenverbauung, Steiermärkische Landesforste) mit dem Nationalpark konnten wesentliche Verbesserungen in den beiden NATURA 2000-Gebieten erreicht werden: Von der Erstellung langfristiger Managementpläne, über Besucherlenkung bis hin zu großräumigen Flussrenaturierungen. Durch Kooperationen mit Nachbarschutzgebieten und Partnern in der Region werden diese positiven Entwicklungen auch in Zukunft weitergeführt.

Projektgebiet: Österreich, Steiermark, Ennstaler Alpen - Gesäuse
Projektträger: Nationalpark Gesäuse GmbH
Projektpartner: Wildbach- und Lawinenverbauung, FA19B (Wasserwirtschaft Stmk)
Dauer: 2005 bis 2011, Fläche: 10.300 ha, Projektkosten: ca. 2.665.690 € (EU-Zuschuss: ca. 45 %)

Partner des LIFE-Projekts

Ziele des Projektes

Das LIFE Natur-Programm der EU (jetzt LIFE+) ist ein Förderinstrument, das sich im Wesentlichen der Umsetzung der FFH-RL (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) und VSRL (Vogelschutz-Richtlinie) widmet. Es geht um die Etablierung des NATURA 2000-Schutzgebietsnetzwerkes in der EU und konkret um das Setzen von Maßnahmen zum Schutz und Erhalt von gefährdeten und geschützten Arten und Lebensräumen, welche in den Anhängen der oben genannten Richtlinien angeführt werden.

Ziel des LIFE-Projektes im Nationalpark Gesäuse war die Verbesserung und Aufwertung der Lebensräume für Zielarten und der Zielhabitate entlang der Fließgewässer Enns und Johnsbach, in den an die Flussauen angrenzenden Bergwäldern und der Almflächen.

Als Partner waren an der Enns das Amt der Steiermärkischen Landesregierung mit der Fachabteilung 19B beteiligt: Diese ist zuständig für den Hochwasserschutz an der Enns und hat auch die Kosten der Maßnahmen in diesem Bereich übernommen. Projektpartner am Johnsbach war die WLV (Wildbach- und Lawinenverbauung). Deren öffentlicher Auftrag ist die überwiegend technische Absicherung des Siedlungsraumes vor Hochwässern und Naturgefahren. Durch die zusätzlich lukrierten Fördermittel konnten die Verbauungen am Johnsbach den neuen ökologischen Ansprüchen angepasst und im Sinne der Zielarten und -habitate optimiert werden. Eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit, mit eigener Website, Infotafeln, Folder und zahlreichen Veranstaltungen wie zwei LIFE-Festen und der Errichtung und festlichen Eröffnung eines eigenen Erlebnisweges „Der Wilde John“ begleitete das Projekt. Die Steiermärkischen Landesforste waren als Grundbesitzer eingebunden und für die Bestandesumwandlung der standortsfremden Fichtenforste in laubholzreiche Mischwälder verantwortlich. Das Gesäuse soll im Verbund mit den benachbarten Naturwaldflächen im Nationalpark OÖ. Kalkalpen und im Wildnisgebiet Dürrenstein auch die Funktion eines überregionalen „Naturwaldgebietes“ übernehmen und als Rückzugs- und Durchzugsraum für große migrierende Arten dienen.

Ansprechpersonen in der Projektsteuerungsgruppe im Rahmen des LIFE Projektes Gesäuse (Graphik: Nationalpark Gesäuse)Der Nationalpark Gesäuse fungierte im Projekt sowohl als Flächenpächter und Gebietsbetreuer im Gesäuse als auch als koordinierende Stelle. Einreichung und Projektabwicklung lag in der Hauptverantwortung der Nationalpark GmbH. Der Nationalpark stellte durch die Mitarbeiter/innen in den Fachbereichen „Naturschutz und Naturraum“ und „Natur- und Umweltbildung“ die inhaltliche Betreuung und Qualitätssicherung aller Maßnahmen sicher. Ein externer Projektkoordinator entwickelte mit den Partnern gemeinsam die Projekteinreichung und Durchführung, sicherte die gute Dokumentation und erledigte gemeinsam mit dem Nationalpark die Berichtspflichten.

Managementpläne

Die Basis für die strategische Ausrichtung des Naturschutzes im Nationalpark Gesäuse, aber auch im angrenzenden NATURA 2000-Gebiet an der Enns und darüber hinaus bildete die Erstellung der Managementpläne. Bei der Erstellung wurde neben den verantwortlichen Partnern auch die betroffene Bevölkerung eingebunden. So wurden im Rahmen der Ennsleitlinie Umfragen zur Einstellung der Bevölkerung hinsichtlich Fließgewässerrenaturierungen u.a. durchgeführt, oder bei der Erstellung von Naturschutzplänen auf der Alm gemeinsame Begehungen mit Bewirtschaftern durchgeführt. Im Zuge der Erarbeitung des Besucherlenkungskonzeptes fanden thematische Workshops mit interessierten Nutzer/innen und Interessensvertretern statt. Bei der Ausarbeitung der Managementpläne Johnsbach, Ennsleitlinie, Waldmanagementplan, Almmanagementplan und Besucherlenkungskonzept wurde schon parallel zur Erarbeitung deren Umsetzung gestartet. In der weiteren Folge wurde auch die Notwendigkeit von zwei weiteren Managementplänen erkannt: Ein Neophytenmanagementplan und ein Managementplan Geschiebe zum Umgang mit anfallendem Witterschutt im Gebiet wurden noch während des Projektes begonnen und annähernd fertig gestellt.

Diese gemeinsame Erstellung der Managementpläne von Vertretern des Naturschutzes mit den eigentlichen Flächenbewirtschaftern förderte das gegenseitige Verständnis. Die eigentliche Prüfung des Erfolges der Ausarbeitung solcher Pläne besteht in deren tatsächlicher Umsetzung.

Der Schwerpunkte von LIFE Projekten – Die Umsetzung von Maßnahmen

EisvogelDas inhaltlich und finanziell bedeutendste Ziel im Projekt war die Wiederherstellung eines ökologisch funktionsfähigen Fließgewässer-Kontinuums an der Enns und die Anbindung der Hauptzubringer Johnsbach und Palten. Etliche Passagen des Johnsbaches waren hochwassertechnisch hart verbaut. Rückbau-Maßnahmen an den Uferverbauungen und die Wiedereinbindung von Aubereichen dienen künftig der Förderung der natürlichen Habitate, wie Pionierfluren und Grauerlenauen. Als Zielarten an Enns und Johnsbach sind Fischotter, Ukrainisches Bachneunauge, Koppe, Strömer und Eisvogel bzw. Flussuferläufer zu nennen. Die Maßnahmen an der Enns werden vom Land Steiermark im Rahmen eines neuen LIFE+ Projektes „Flusslandschaft Enns“ fortgesetzt.

WaldumwandlungDer zweite Schwerpunkt wurde im Bereich der Rückführung von fichtendominierten Forsten in strukturreiche Mischwälder gesetzt. Die Bestandesumwandlungen konzentrierten sich auf jene Teilflächen, die im Habitatverbund für folgende Zielarten besondere Bedeutung haben: Alpenbockkäfer, Haselhuhn, Auerhuhn, Weißrückenspecht, Dreizehenspecht, Grauspecht und Zwergschnäpper.

AlmmanagementEin weiteres Zielgebiet waren die Almweiden. Beim naturschutzkonformen Weidemanagement waren Erhaltungsmaßnahmen und eine Regelung der Beweidungsintensität notwendig. Besonders trittempfindliche Flächen wurden ausgezäunt. Dadurch wurde der Lebensraum für das Birkhuhn als auch für Amphibien wie die Gelbbauchunke aufgewertet und vergrößert. Wertvolle Habitate wie artenreiche Weiderasen und sensible Feuchtgebiete wurden geschützt.

Im Rahmen des Neophytenmanagements wurden vor allem invasive Neophyten wie das Drüsige Springkraut, die Goldrute und der Japanische Staudenknöterich bekämpft. Nach mehrjährigen Wiederholungen zeigten die Maßnahmen deutliche Wirkung und die Dominanzbestände des Drüsigen Springkrauts konnten dezimiert werden.

BesucherlenkungEin weiteres Teilprojekt war die Erarbeitung des Besucherlenkungskonzeptes des Nationalparks Gesäuse. Hier wurden im Rahmen einer Risikoanalyse in Form einer räumlich-zeitlichen Überlagerung von touristischen Nutzungen mit sensiblen Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräumen Bereiche mit Handlungsbedarf ausgemacht. Für die Umsetzung des Besucherlenkungskonzeptes haben die Mitarbeiter/innen des Nationalparks im Gelände eine sehr große Bedeutung: So genannte Aufsichtsorgane sind in Schwerpunktgebieten vor allem an Wochenenden und zu Ferienzeiten unterwegs. Ihre Hauptaufgaben sind die Information der Besucher/innen und die Überwachung der Einhaltung der gesetzlichen Grundlagen.

Letztlich werden alle notwendigen Aktivitäten im Zuge der Besucherlenkung von Öffentlichkeitsarbeit wie Beschilderung vor Ort und Info-Foldern, sowie mit einer umfassenden Kontrolle und Aufklärung vor Ort durch speziell geschulte Aufsichtsorgane begleitet.

Naturschutz zum Feiern…

ErlebnisfestAlle Maßnahmen im LIFE Projekt waren begleitet von regelmäßiger Berichterstattung in der Nationalpark-Zeitschrift „Im Gseis“ und aktuellen Informationen auf der Website sowie Workshops in der Region für interessierte Laien und ExpertInnen. Ein wesentliches Element der Öffentlichkeitsarbeit war neben mehreren LIFE-Festen die Eröffnung des Erlebnisweges „Der wilde John“. Dieser familienfreundliche Erlebnisweg bereitet Informationen zum Johnsbach auf zwei Ebenen auf. Einerseits wird die historische Entwicklung des Baches aufgezeigt, andererseits wird die Lebensgeschichte der imaginären Sagenfigur „wilder John“, der ein Sinnbild für den Johnsbach ist, anhand von zehn Erlebnisstationen erzählt. Bei den Erlebnisstationen erhalten die Besucher Informationen zum Nationalpark und entdecken am Weg auch einen Besucher- und Badebereich, der genutzt werden kann.