Das Projekt LIFE Gesäuse und was davon bleibt…


Der Johnsbach kann sich nach der Neugestaltung durch das LIFE Projekt in vielen Bereichen wieder ein natürliches Gewässerbett mit entsprechenden Strukturen schaffenDie folgenden Zahlen sollen die Ergebnisse des Projektes kurz zusammenfassen:

1 km Fließstrecke der Enns und Palten wurden renaturiert, 5 ha Fläche zwischen Enns und Palten ihrer natürlichen Dynamik überlassen. In der Ennsleitlinie sind für insgesamt 105 km Fließstrecke der Enns weitere Verbesserungen des ökologischen Zustandes geplant. Am Johnsbach wurden auf 5 km neue Pionierhabitate geschaffen und der Wildbach wieder durchgehend für Fische passierbar gestaltet. Mehr als 300 ha Fichtenforst wurden aufgelichtet, um einem Mischwald neue Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen, für insgesamt 5.500 ha wurde ein Managementplan erarbeitet. Auf den Almen wurde für insgesamt mehr als 700 ha ein naturschutzkonformes Beweidungskonzept geplant und in Teilen umgesetzt.

Insgesamt konnte die positive Entwicklung aufgrund der gesetzten Maßnahmen durch ein umfangreiches Monitoring im Wesentlichen bestätigt werden. Siehe dazu auch die Zusammenfassung der Ergebnisse.

LIFE und was davon live zu sehen ist…

Paltenspitz: Teil des Enns-Programmes für Hochwasserschutz und Ökologie

Eine dynamische Flusslandschaft wie aus dem Bilderbuch: ehemalige Webcam Paltenspitz Der Paltenspitz, ein Landstück bei der Paltenmündung in die Enns, wurde vom Land Steiermark (Schutzwasserbau) angekauft, um nachhaltigen Hochwasserschutz und Naturschutz auf größerer Fläche vorbildlich umzusetzen. Die Planung und Ausführung dieser Maßnahme entstand im LIFE Projekt, gemeinsam mit dem Nationalpark Gesäuse.

Getreu dem Vorbild auf alten Landkarten wurde die Paltenmündung wieder dem historischen Zustand angenähert. Mäander, Uferanbrüche und Altarme lassen das Landschaftsbild früherer Epochen vor unseren Augen entstehen.

Bereits nach wenigen Monaten war der Durchstich zur Enns vom Paltenfluss in Besitz genommen worden und hatte sich um das Doppelte erweitert. Uferanbrüche, Schotterbänke und Totholz im Fluss gestalten die Landschaft nun immer vielfältiger.

Der Johnsbach

Der Johnsbach nach Renaturierung durch die WLV – eine Vorzeige-FlusslandschaftDer Johnsbach ist ein Wildbach im Nationalpark Gesäuse, und mit seinen 13,5 km Länge der größte Zubringer zur Enns im Nationalpark. In den Jahren 1951 bis 1974 ist der Johnsbach mit Durchstichen, Begradigungen, Sohlschwellen, Abstürzen und Drahtbuhnen hart verbaut worden. Aufgrund der Nationalparkplanungen in den 90er Jahren hat die WLV (Wildbach- und Lawinenverbauung) bereits in der Planungsphase auf eine naturnahe Neugestaltung des Johnsbaches geachtet.

Im LIFE Projekt des Nationalparks wurde es schließlich möglich das „Restaurierungsprojekt“ am Johnsbach noch „ökologischer“ zu gestalten und so wurde daraus ein Vorzeige-Renaturierungsprojekt der WLV gemeinsam mit dem Nationalpark.

Die alten Ufersicherungen mit Drahtbuhnen wurden nur sporadisch ergänzt und zum Teil entfernt. Stattdessen wurden nun Sohlsicherungen (Betongrundschwellen) gebaut, die kaum mehr Abstürze verursachen und somit für alle Fischarten passierbar sind. Mit Rohrdurchlässen im Beton wird auch für die Kleinstlebewesen im Gewässerbett eine Durchgängigkeit hergestellt.

Zwischen diesen Schwellen darf der Bach frei arbeiten, sodass Kurven, Kolke, Totholzinseln, Schotterbänke und kleine Verwilderungszonen entstehen. Der Johnsbach hat so seinen ursprünglichen Charakter einer „Wildflusslandschaft“ wieder teilweise zurückerhalten.

Die Almen

Die Sulzkaralm im Nationalpark, hier ist viel für den Erhalt einer artenreichen Weidelandschaft geschehen.Die Almen und Bergwiesen, für Landschaft und die Artenvielfalt besonders bedeutend, sollen im Nationalpark und Natura 2000 Gebiet erhalten bleiben. Im Gesäuse sind die meisten größeren Almen noch intakt. Durch an den Standort angepasstes Weidemanagement kann viel für die Futterqualität, aber auch für den Naturschutz getan werden.

In den Almmanagementplänen wird Tradition und Artenschutz bestmöglich vereint. Diese werden gemeinsam mit unseren Partnern, den Almbauern und den Steiermärkischen Landesforsten, umgesetzt. Zu den auch im Rahmen des LIFE Projektes geförderten Maßnahmen zählen: Schwendarbeiten (Entfernen von Jungbäumen und Hochstauden), Koppelung (Zäunung) auf bestimmten Flächen, wie dem alten Alm-Anger, Umtrieb (Verteilung des Viehs) zwecks gleichmäßiger Abweidung, geregelte Wasserversorgung (Errichtung von Tränken und Brunnen), Flächenpflege. Besonders sensible Flächen wie Seen, Tümpel, Moore oder Quellfluren werden auch zeitweilig oder dauerhaft ausgezäunt.

Durch die unterschiedlich starke Beweidung der Almflächen mit in Teilbereichen auch extensiver Beweidung wird eine hohe Strukturvielfalt und damit auch Artenvielfalt gefördert.

Der Wald

Reine Fichtenforste wurden aufgelichtet, um sich langfristig hin zu bunten Mischbeständen zu entwickeln.Das Hauptziel des Waldmanagements ist es, den Fichtenbestand zu verringern und selten gewordene, wertvolle Waldgesellschaften zu schützen und zu regenerieren. Die Erreichung dieses Zieles wird im Waldmanagementplan bis ins Jahr 2030 angestrebt.

Im Rahmen des LIFE Projektes wurde dieser auf insgesamt 322 ha bereits umgesetzt. 46 ha Waldfläche fielen unter das generelle Ziel „Renaturierung von Auwäldern“ und unmittelbar damit verzahnten Unterhangbeständen. 122 ha Wald wurden als Habitatverbesserung für Auerhuhn und/oder Dreizehenspecht behandelt. In 154 ha jungen, dicht mit Fichten aufgeforsteten Schlägen wird durch Auflichten die langfristige Entwicklung zu laubholzreichen Mischwälder gefördert. Davon kann wiederum der Weißrückenspecht profitieren. Vor allem in höher gelegenen Waldparzellen wurde alles Totholz ohne Entrindung liegen gelassen, was neben den besseren Chancen für die Laubholzverjüngung auch eine momentane Verbesserung des Nahrungsangebotes für die Spechte bedeutet.

Besucherlenkung Sommer/Gewässer:

Zum Schutz des Flussuferläufers wurde eine intensive Gebietsaufsicht im Rahmen des LIFE Projektes gestartet. Ausgewiesene Besucherbereiche sollen sensible Zonen entlasten.In den Sommermonaten werden an Enns und Johnsbach regelmäßig Dienste von Steiermärkischen Nationalparkorganen und Aufsichtspersonal verrichtet. Ziel der Sommer-Dienste ist die Präsenz an Enns und Johnsbach an den Wochenenden ab April/Mai bis September/Oktober und durchgehend während der Ferienmonate Juli und August. Der Aufsichtsdienst bewegt sich entlang der Enns zwischen Eisenbahnbrücke Gesäuse-Eingang und Gstatterboden bzw. Weißenbachl und am Johnsbach entlang des Sagenwegs bis zum Besucherbereich Kainzenalblgraben (große Bestände der Zielart Frauenschuh). Schwerpunkte sind die europaweit seltenen Pionierfluren der drei Besucherbereiche (Johnsbachsteg, Gstatterboden und Kainzenalpl), die Lettmair Au und die Sand- und Schotterbänke und deren spezialisierte Flora und Fauna.

Laufend wurden die Beschilderungen vor Ort adaptiert bzw. erneuert. Außerdem wurden unerwünschte Zugänge zur Enns und zum Johnsbach protokolliert und anschließend mit Querfällungen und Aufschüttungen unkenntlich gemacht. Zur Information der Besucher über naturverträgliches Verhalten wurden weiters eigene „Fair Play – Folder“ gedruckt.

Besucherlenkung Winter/Schitouren:

Die Errichtung von Hinweistafeln und die Beschilderung der ausgewiesenen Skirouten hilft die Besucherströme im Winter, um die Überwinterungsgebiete der Wildtiere zu lenken.Von April bis Dezember 2006 wurden die Schitourenrouten am Tamischbachturm, am Gscheideggkogel und in der Umgehung des Zirbengartens mit Schneestangen und Richtungspfeilen markiert. Um die Abfahrt zu kanalisieren, wurden 3.500 Meter Aufstiegsrouten und Abfahrtsschneisen im Bereich Gscheideggkogel und Haselkogel – Wirtsalm freigeschnitten. Zur Information der Besucher wurden zahlreiche Hinweis- und Wegweistafeln im Gelände und vier große Infotafeln an den Ausgangspunkten der Schirouten aufgestellt. Die Herausgabe eines Schitourenfolders „Im Winter auf Tour“ und des zweisprachigen LIFE – Verhaltensfolders „Fairplay“ Winter ergänzten das Konzept.

Das Neophytenmanagement

Das konsequente Bekämpfen der invasiven Neophyten führt zur Eindämmung der Ausbreitung bis hin zum Verschwinden der Arten.Pflanzliche Neobionten (gebietsfremde Arten) haben sich im vergangenen Jahrzehnt im Ennstal explosionsartig vermehrt. 2006 wurde daher die Ausbreitung von Neophyten an den Ennsufern im Natura 2000 Gebiet AT2210000 flächendeckend kartiert, um eine Strategie für die Eindämmung der aggressivsten Arten (IAS – Invasive Alien Species) zu entwickeln. Im Jahr 2010 fand eine Wiederholungskartierung statt. Parallel dazu fand eine GPS-Erhebung der Vorkommen abseits der Ennsufer durch das Bekämpfungsteam statt. Dieses war zwischen 2007 und 2010 an der Neophytenbekämpfung bei Drüsige Springkraut, Japanische Staudenknöterich, Kanadischer und Riesen-Goldrute erfolgreich. Die rigorose und konsequente Bekämpfung führt zum starken Rückgang bis Verschwinden der invasiven Arten.

Ein Ausblick

Die Nationalpark Region hat eine besondere Bedeutung als zusammenhängender Lebensraum für viele bedrohte Arten.Der positive Trend, der durch LIFE Gesäuse gezielt eingeleitet wurde, soll auch in Zukunft weiter gefördert werden. Das neue LIFE+-Projekt „Flusslandschaft Enns“ der Steiermärkischen Landesregierung setzt die Renaturierung an der Enns fort. Der Nationalpark Gesäuse hat durch die Mitarbeit am Alpine Space Projekt „ECONNECT“ und im Rahmen des Projektes „Netzwerk Naturwald“ mit den Partnern Nationalpark OÖ Kalkalpen und Wildnisgebiet Dürrenstein weitere Schritte für eine Biotopvernetzung in der Region Nördliche Kalkalpen/Eisenwurzen gesetzt - für die Entwicklung einer Region der Natur und Kultur zum Wohle deren Bewohner und Besucher.