Eins, zwei, viele Gams

Wildexperten sorgen sich um die Gamsbestände in der Steiermark. Nimmt man als Maßzahl die Jagdstrecke, so gibt es heute deutlich weniger Gams als noch vor 10 Jahren.

Aber wie entwickeln sich die Populationen wirklich? Die Anzahl der Abschüsse ist nur ein Indiz, Gewissheit bringt nur die Zählung der lebenden Tiere. Eine solche Zählung wird im Gebiet Haller Mauern – Gesäuse seit einigen Jahren revierübergreifend durchgeführt.

Heuer war es am 6. September soweit. Vom Morgengrauen bis 10 Uhr begaben sich alle verfügbaren Kräfte von Steiermärkischen Landesforsten, Nationalpark Gesäuse und angrenzenden Revieren an die definierten Zählorte, um die Anzahl der Gams nach Geschlecht und – soweit möglich – nach Alter zu bestimmen.

Bei so einer Zählung werden natürlich nicht alle Tiere gesichtet, manche verstecken sich in den Latschen oder befinden sich in Revierteilen, in denen nicht gezählt wird. Die Größe der Gesamtpopulation bleibt also unbekannt, Veränderungen treten aber sehr wohl zu Tage. Mögen die Zählergebnisse zweier Jahre noch eine zufällige Schwankung aufweisen, bei mehrjähriger Betrachtung wird schon klar, ob es mehr oder weniger Gams werden. Einflussfaktoren gibt es viele, so sind von menschlicher Seite Jagd, Freizeitnutzung und Lebensraumveränderungen zu nennen, von natürlicher Seite wirken strenge Winter, Lawinen und Krankheiten auf die Population ein.

Für eine profunde Interpretation der Gamszählungen ist die Zeitreihe noch zu kurz. Das Fazit der diesjährigen Ergebnisse sieht für Forstdirektor Andreas Holzinger so aus:

  • Die Populationen haben sich im Vergleich zu den Jahren nach den schweren schneereichen Wintern mit hohen Ausfällen wieder stabilisiert und haben leicht zugenommen.
  • Erfreulich ist der Zuwachs bei den Kitzen, die Zahl der Jahrlinge lässt aber doch eine stärkere natürliche Mortalität vermuten.
  • Die geringe Zahl starker alter Böcke wird wohl mit dem eher heimlichen Verhalten der Einzelgänger in dieser Jahreszeit zu tun haben, während bei den Geißen erfreulicherweise durchwegs vitale, auch alte Stücke beobachtet werden konnten.
  • Starke Rudel finden sich in Gebieten abseits stark frequentierter Wanderwege.

Rückfragehinweis:
DI Andreas Holzinger
Forstdirektor der Steiermärkischen Landesforste und Fachbereichsleiter Wildtiermanagement im Nationalpark Gesäuse
Admont, +43 3613 2403; holzinger@landesforste.at