Unbekannte Raubritter des Bodens!

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Unbekannte Raubritter des Bodens!

Pseudoskorpione sind kleine achtbeinige Raubritter. Auf den ersten Blick einem Skorpion ähnelnd, fällt doch rasch das Fehlen des Schwanzes und Giftstachels auf. Auch die geringe Körpergröße von wenigen Millimetern lässt sie für den Menschen eher spannend und skurril als gefährlich wirken. Dennoch besitzen sie ein Gift, mit dem sie andere Kleintiere erbeuten. Im Nationalpark Gesäuse bewohnen sie von den Auwäldern der Enns über Totbäume in mittleren Lagen bis hin zu Blockschutthalden der höchsten Gipfel alle Höhenstufen.

Aus dem Gesäuse sind bislang 15 Arten nachgewiesen. Das Zulassen natürlicher Dynamik in Waldbeständen ist die wichtigste Managementmaßnahme zum Erhalt der seltenen und gefährdeten Arten.

Die spannendsten Ergebnisse der aktueller Forschungsarbeiten zur Endemitenfauna des Nationalparks sind jene des häufigen Moos-Pseudoskorpions Neobisium carcinoides. Genetische Analysen zeigen, dass allein im Nationalpark bis zu 7 Arten aus diesem Konglomerat vorkommen könnten, darunter auch endemische Formen! Dieser sensationelle Befund verdeutlicht, wie wichtig und schön Grundlagenforschung ist. Gleichzeitig ist es der beste Beweis dafür, dass wir für die Entdeckung von für die Wissenschaft neuen Arten nicht unbedingt in die tropischen Regenwälder reisen müssen, sondern zuerst unser Hochtor, den Lugauer und Tamischbachturm unter die Lupe nehmen sollten.

Foto: Ch. Komposch