Wo sind die Tannnen?

Wo sind die Tannnen?

Gut besuchter Vortrag vom Tannen-Spezialisten Wolf Hockenjos in Admont zeigt uns Wege wie wir der Tanne bei ihrer Rückkehr in unsere Wälder helfen können.

Die Tanne ist eine wohlbekannte und allgegenwärtige Baumart unserer Bergwälder. Nun ja, wohlbekannt ist sie, aber allgegenwärtig? In den meisten „klassischen" montanen Fichten-Tannen-Buchenwäldern ist die Tanne heutzutage bestenfalls gelegentlicher Gast. Mit viel Glück findet man ein stattliches Exemplar, viel eher aber ein paar kümmerliche Jungbäume die fast bis zur Unkenntlichkeit verbissen sind.

Aber nun zurück an den Anfang – von Natur aus sind Tannen ein wesentlicher Bestandteil der Bergmischwälder. Sie haben stabilisierende und ökologisch wertvolle Funktionen. Als Tiefwurzler, der zudem ein mit Nachbarbäumen Wurzelverwachsungen eingehen kann, trotzt die Tanne im Gegensatz zu den flach wurzelnden Fichten auch starken Stürmen. Gleichzeitig lockert das spezielle Wurzelwachstum den Boden auf. Die Streu der Tanne gilt als mild und leicht zersetzbar, weit aus weniger „aggressiv", sprich sauer als jene der Fichte. Junge Tannen können bis zu 150 Jahre im schattigen Unterwuchs verharren, bis das Kronendach über ihnen lückiger wird und sie mehr Sonnenlicht erhalten. Dann wächst die Tanne rasch empor und kann dabei enorme Maße erreichen. Das natürliche Alter liegt bei über 500 Jahren. Die stattlichsten Exemplare erreichen Höhen bis zu 60 Meter deren mächtige Stämme bis zu 40 Kubikmeter Holz enthalten. Solche Starktannen sind besonders bei Schwarzspechten beliebt, welche ihre Bruthöhlen bevorzugt in diesen Bäumen anlegen.

Die Baumart gilt als sturm-, schneedruck- und klimastabil. Lediglich Spätfröste sind für die Tanne schädlich, sowie Schwefelimmissionen der Industrie. Zweitere hat in den vergangenen Jahren glücklicherweise stark abgenommen.

Eine sehr resistente Baumart also. Warum gibt es dann kaum Tannen? Wo sind sie geblieben? Es liegt vor allem an der Waldbewirtschaftung, dass die Tannen aus vielen Wäldern fast oder gänzlich verschwunden sind. Zum einen wurde die Fichte Jahrzehntelang stark gefördert. Zum anderen wurde die Kahlschlagwirtschaft immer populärer, eine Art der Bewirtschaftung die für die Tanne ausgesprochen schädlich ist. Plenter- und Femelwald, in dem Einzelstammentnahme statt findet sind Wirtschaftswälder in denen sich auch die Tanne wohlfühlt. Leider gibt es hier nur wenige positive Beispiele, wie etwas den Bregenzerwald in dem die Tannen gehegt werden. Da Tannen spezialisiert darauf sind, lange Zeit im Schatten auf ein Lichtloch zu warten, was in natürlichen und gut strukturierten Wäldern mit allen Altersklassen eine gute Strategie ist, hat sie in den klassischen Wirtschaftswäldern in denen meist eine einzige Altersklasse vorherrscht kaum eine Chance.

Neben der Bewirtschaftung spielt auch die Jagd des Rot- und Rehwildes eine tragende Rolle. Tannen leiden wie kaum eine andere Baumart unter starkem Verbiss. Ungeschützt sind sie dem meist für die Jagdzwecke künstlich hoch gehaltenen Beständen an Rehen und Hirschen schutzlos ausgeliefert. Dies führt soweit dass aufgrund des Verbisses eine natürliche Verjüngung gänzlich unterbunden wird. Auszäunungsversuche zeigen sehr anschaulich den enormen Verbissdruck auf die Tannen. Sogar im Urwald Rothwald gibt es kaum Tannenverjüngung. Ein gezieltes Wildmanagement und eine entsprechende Regulierung ist für die Stärkung der Tanne also oberstes Gebot, kombiniert mit weiteren Schutzmaßnahmen wie beispielsweise das mechanische Schützen der Wipfel.

Sturmschäden und Käferbefall in Fichtendominierten Forsten zeigen wie wichtig eine gute Durchmischung der Bergwälder ist, damit diese als stabile Ökosysteme funktionieren können. Ein Umdenken findet bereits statt. Möchten wir die Tanne wieder in unseren Bergmischwäldern leicht anfinden können, braucht es allerdings noch einiges an Unterstützung!

Quelle: HOCKENJOST W. 2008: Tannebäume. Eine Zukunft für Abies alba. DRW-Verlag.