Landschaftswandel

Das Gesäuse - eine faszinierende Gebirgslandschaft mit schroffen Gipfeln und Graten. Steil ragen die Felswände vom Talboden, in dem die Enns bestimmend ist, empor. Das hohe Reliefenergie der Landschaft bedingt eine hohe Dynamik: Naturprozesse wie Lawinen, Muren, Felsstürze, Hochwässer und Windwürfe prägen das Landschaftsbild und führen zu stetigem Wandel. Diese natürliche Dynamik prägt die Landschaft, die das Gesäuse ausmacht. Im Nationalpark gilt es daher, diese Prozesse zuzulassen und zu schützen.

Abgesehen von den natürlichen Veränderungen hat auch der Mensch sehr stark auf die Landschaft eingewirkt, selbst in so naturbelassenen Regionen wie dem Gesäuse. In der Kulturlandschaft rund um den Nationalpark sind die Veränderungen bei den landwirtschaftlich genutzten Flächen und in den Siedlungs- und Gewerbegebieten leicht nachvollziehbar. Aber das Gesäuse selbst unterliegt starken Veränderungen durch Menschenhand. Almen prägen das Landschaftsbild in besondere Weise. Aus ehemaligen Triebwegen wurden im Laufe der Zeit Wanderwege, Forststraßen wurden für die Holzwirtschaft gebaut, eine Bundesstraße und eine Eisenbahnlinie verlaufen durch den heutigen Nationalpark. Forstliche Eingriffe prägten lange Zeit das Erscheinungsbild der Wälder. Heute ist der Wald sich selbst überlassen. Der Weg vom Forst zum Naturwald ist eine laufende Entwicklung, die noch über Jahrhunderte das Landschaftsbild verändern wird. Andere Vorgänge, wie etwa Felsstürze und Muren führen zu plötzlichen Veränderungen, die weitere Entwicklungen nach sich ziehen, wie Bewuchs und Wiederbewaldung der offengelegten Flächen.

Eine Publikation in Form eines Bildbandes widment sich ausführlich und anschaulich dem Thema Landschaftswandel. Mit zahlreichen historischen Abbildungen, alten Karten und Bildvergleichen wird die Geschichte der Landschaft in der Region des Nationalparks Gesäuse erzählt.

Nähere Informationen zum Bildband sind bei den Publikationen zu finden.
Unter diesem Link gelangen Sie zu einer online Story Map mit weiteren Bildvergleichen und Inhalten.

Die folgenden Bildvergleiche geben einen Einblick in die Veränderung der Natur- und die Kulturlandschaft der Gesäuseregion: Das erste Beispiel zeigt sehr schön die Entwicklung des Siedlungsraumes von Admont. Man blickt auf Admont Richtung Norden. Im Hintergrund sind die Haller Mauern deutlich zu erkennen. Vieles des einstigen Grünlandes ist dem heutigen Siedlungsgebiet gewichen.

admont kreuzbichler altadmont kreuzbichler neu

 

Natürliche Prozesse prägen die Landschaft - Lawinen zählen dabei zu den häufigsten Ereignissen im Gesäuse. Das Winterbild zeigt noch die Spuren einer frisch abgegangenen Lawine im Kalktal. Die regelmäßig abgehenden Schneemassen führen dazu, dass in diesem Bereich kein Wald aufkommen kann. Der Hügel im Hintergrund, der Mitterriegel, ist hingegen vollständig bestockt. In den oberen Hangbereichen, wo die Lawinen nicht so stark wirken, wachsen Sträucher. Im unteren Bereich der Lawinenbahn findet man kaum Gehölze.

aktuell kalktal 2003 sommer kopieaktuell lawinenbahn haslinger

 

Was früher der Natur mühsam abgerungen wurde, holt sie sich nun zurück - die Flächen der aufgelassenen Eggeralm. Im Vordergrund sieht man die heute noch bestehende und weithin bekannte Ennstaler Hütte. Im Hintergrund ist auf der alten Ansichtskarte die ehemalige Eggeralm deutlich zu sehen. Im Vergleichsbild ist die Fläche bewaldet. Die Eggeralm ist seit 1915 nicht mehr bewirtschaftet. Die Wiederbewaldung der Fläche ist ein natürlicher Prozess, der auf seine Weise die Landschaft nun wieder prägt. Obwohl die Fläche seit mehr als 100 Jahren nicht mehr bewirtschaftet wird, gibt es dennoch waldfreie, offene Flächen auf der ehemaligen Alm. Die natürliche Sukzession dürfte hier also noch nicht abgeschlossen sein.

Ennstaler Huette Eggeralm altEnnstaler Huette Eggeralm neu

 

Nicht besonders leicht hatten es die ehemaligen Gstatterboden-Bauern. Aus einer Lichtung die Eisenerzer Holzfäller aus dem Waldkessel geschlagen hatten, entstanden zwei Bauernhöfe. Das linke Bild stammt von der Zeit um 1900. Kleinere Äcker sind erkennbar, ein kleiner Kohlemeiler ist im Hintergrund zu sehen. Die Gewinnung der anbaufähigen Fläche muss mühsam gewesen sein. Heute sind die Flächen auf dem großzügigen Anwesen des Gstatterbodenbauer nur mehr als Grünland genutzt.

Gstatterbodenbauer altGstatterbodenbauer neu

 

Die folgende Karte zeigt die Veränderung des Flusslaufes der Enns zwischen Admont und dem Gesäuseeingang. Das linke Bild zeigt den Verlauf um 1860, also den ursprünglichen Flussverlauf. Das Bild rechts zeigt den aktuellen Zustand mit dem regulierten und stark kanalisierten Verlauf der Enns. Seiten- und Altarme, sowie Schotterbänke gingen verloren und damit auch wichtiger Lebensraum für speziell angepasste Tier- und Pflanzenarten. (Hintergrund: Orthofoto 2013 © GIS-Steiermark, 2013)

Gstatterbodenbauer altGstatterbodenbauer neu