Neuankömmlinge und der Umgang mit fremden Arten

Managementplan NeobiotaAls „Neobiota“ werden alle nach 1492 (Jahr der Entdeckung Amerikas) unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen nach Österreich gelangten Organismen zusammengefasst. Neben unauffälligen Arten gibt es auch invasive Tiere und Pflanzen, die das Gleichgewicht der heimischen Flora und Fauna empfindlich stören.

Bereits in den 1980er Jahren wurden im Rahmen von Kartierungen im Ennstal sowohl das Drüsige Springkraut (auch Indisches oder Himalaya Springkraut genannt), als auch der Japanische Staudenknöterich in der näheren Umgebung des Gesäuses nachgewiesen. Der erste Nachweis stammt aus Weng aus dem Jahr 1931, vom Gesäuse stammen die ersten Fundmeldungen aus den 70iger Jahren. In einer österreichweiten Verteilungskarte aus dem Jahr 2000 war das Gesäuse jedoch noch weitgehend frei vom invasiven Springkraut!

Springkraut wächst flächig und verdrängt die heimische Vegetation.

Soweit das Auge reicht

Nur wenige Jahre später waren die Dominanzbestände dieser Hochstaude auch im Nationalpark Gesäuse derart allgegenwärtig, dass man an bestimmten Standorten eine starke Veränderung der Vegetation beobachten konnte.


Mit Hilfe des Menschen drangen „invasive Neobiota" selbst in die abgelegenen Gebirgstäler des Nationalparks Gesäuse vor, und das in teils erschreckendem Tempo und Ausmaß.

Großes SpringkrautDrüsiges Springkraut
Gegenüberstellung des heimischen Großen Springkrautes (gelbblühend) mit dem invasiven Neophyten, dem Drüsigen Springkraut (rosablühend).

Konsequentes Vorgehen schwächte invasive Pflanzen

Mit dem LIFE-Projekt „Gesäuse" wurde die aktive Bekämpfung der invasiven Pflanzenarten Himalaya-Springkraut, Kanadische- und Riesen-Goldrute und Japanischer Staudenknöterich in die Wege geleitet. Gezieltes Mähen und Ausreißen von Pflanzen vor der Zeit der Samenreife verhindert eine Vermehrung und Ausbreitung.

Rechtzeitiges Mähen verhindert die Entwicklung des enormen Samenpotentials, das für den Erfolg dieser Pflanzen entscheidend ist.Durch die konsequente und gründliche Bekämpfung konnten mittlerweile einige Bestände bis zum Erlöschen reduziert werden. Andere Vorkommen sind soweit dezimiert, dass eine jährliche Kontrolle der Standorte eine weitere Ausbreitung verhindert. Speziell entlang der Enns, wo häufig Pflanzenteile angeschwemmt werden, ist es kaum möglich, alle Flächen dauerhaft von Neophyten frei zu halten. Nur durch regelmäßige Kontrolle und Bekämpfung neu aufkommender Pflanzen kann eine neuerliche „Invasion" verhindert werden. Eine ständige Quelle für neue Einwanderung bleiben auch weiterhin Straße und Bahn, wo seitens der Grundbesitzer keine Bekämpfung erfolgt

Problemzonen außerhalb des Schutzgebietes

Im Nationalpark Gesäuse gehören Dominanzbestände des Drüsigen Springkrautes mittlerweile der Vergangenheit an, das Problem kann soweit in Zaum gehalten werden, dass heimische Arten wie das Große Springkraut („Rühr-mich-nicht-an") wieder eine Chance haben.

Die „Problemzonen" liegen heute vor allem außerhalb der Nationalparkgrenzen. Hier ist der Einsatz der Grundeigentümer und der Gemeinden gefragt. Leider wird vielerorts noch tatenlos zugesehen, wie sich Drüsiges Springkraut und Staudenknöterich massenhaft vermehren. Dies stellt auch den Nationalpark Gesäuse vor eine große Herausforderung, da der Druck von außen immer höher wird.